Presse-Information 29.10.2012

Qualität der Versorgung psychisch kranker Mitbürger -
Leitende Ärzte warnen vor einer massiven Verschlechterung durch die geplante neue Vergütungssystematik

Auf ihrer Herbsttagung in Mühlhausen/Thüringen hat die Bundesdirektorenkonferenz, Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der deutschen Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie, die aktuelle Entwicklung der Versorgungsqualität im Bereich der psychischen Gesundheit diskutiert.

Die Diagnose- und Behandlungsverfahren verbessern sich stetig und die Zahl von Mitbürgern, die aufgrund seelischer Belastungen und Nöte Hilfe suchen, nimmt kontinuierlich zu. In dieser Situation und bei gleichzeitig immensen Überschüssen der Krankenkassen, plant die Bundesregierung ab 2013 ein neues Vergütungssystem für die stationäre Behandlung psychisch Kranker einzuführen, welches die Versorgungsqualität massiv bedroht. Ähnlich wie mit den Fallpauschalen in der somatischen Medizin soll auch bei der Behandlung psychisch Kranker die möglichst rasche Entlassung von Patienten finanziell belohnt werden, ohne dass gleichzeitig die Möglichkeiten der ambulanten Versorgung verbessert würden. Zusätzlich sollen die durch die Psychiatriereform der 1970 und 1980 Jahre etablierten hohen Standards der personellen Ausstattung psychiatrischer Krankenhäuser ersatzlos gestrichen werden. Die geplante Vergütungsreform gefährdet die Eckpfeiler der Qualität jeder hochwertigen Therapie psychiatrischer Erkrankungen: Die Verfügbarkeit von Zeit und exzellentem therapeutischen Personal.

Deshalb hat Mitte Oktober die Bundesdirektorenkonferenz zusammen mit allen anderen Fachgesellschaften und Fachverbänden, sowie den Verbänden der Krankenhausträger beim Bundesministerium für Gesundheit gegen die Einführung dieses Systems protestiert und vorgeschlagen, in einer Moratoriumsphase von 2 Jahren mit Experten, Betroffenen, Angehörigen, Krankenkassen und Krankenhäuser dem geplanten System eine neue Struktur zu geben, die wirklich der gesetzlich geforderten Verbesserung der Versorgungsqualität dient.

Für den Fall, dass die Bundesregierung gegen allen fachlichen Rat das neue System doch zum 1. Januar 2013 einführen wird, empfiehlt die Vollversammlung der Bundesdirektorenkonferenz den Krankenhäusern, weder an der freiwilligen Erprobung des Systems noch an der Entgeltkalkulation teilzunehmen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Thomas Pollmächer
Vorsitzender der Bundesdirektorenkonferenz
c/o Klinikum Ingolstadt
Krumenauerstrasse 25
85049 Ingolstadt

Download: pm-2012-10-29-neue-verguetungssymptomatik.pdf (53.33 KB) 

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