Die Chancen sind bescheiden - und die Ergebnisse vergleichsweise beachtlich: Eine Studie von Bernd Dimmek und Kollegen (Dortmund) belegt, dass sich die Mehrheit der Suchtkranken aus einer forensischen Klinik nach der Entlassung straffrei bewährt. Allerdings erweisen sich die Prognosen häufig als falsch. Dr. Gernot Hahn kommentiert die Studie: "Sie ist eine hervorragende Quelle für Behandlungsteams, die sich mit der eigenen therapeutischen Haltung kritisch auseinandersetzen wollen."

160 Patienten wurden nach jeweils drei Jahren Freiheit beurteilt. Für rund 60% der Alkoholkranken und etwas mehr als 50% der Drogenabhängigen ergab die Auswertung der Strafregisterauszüge keine erneute Straftat. Wer erneut mit dem Gesetz in Konflikt geriet, beschränkte sich meist auf kleinere Missetaten: Eigentums- und Straßenverkehrs- Delikte, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Beleidigung, üble Nachrede, Hausfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Allerdings begingen elf Prozent erneut Gewaltverbrechen.

Überrascht waren die Untersucher, dass negative Legalprognosen nur zu 28% richtig waren und positive Vorhersagen zu 66%.

Dr. Gernot Hahn kommentiert in seiner Rezension der Studie in socialnet.de: "Die Patienten weisen mehrheitlich eine erhebliche biografische Beschädigung auf, die durch eine zeitlich begrenzte stationäre Behandlung oft nicht zu korrigieren ist. Die behandelnden Therapeuten scheinen auf diese Problemlage mit erheblicher Vorsicht im Rahmen ihrer forensischen Prognoseaussagen zu reagieren und ihre Therapieerfolge oftmals angesichts (weiter)bestehender Risikofaktoren als schwächer und eher weniger wirksam einzuschätzen.

Das Verdienst der Studie ist, neben der datenbasierten Beschreibung der Probleme in der Wiedereingliederung, genau diese Analyse der Behandlungserfolge - und die Benennung der Grenzen des forensischen Behandlungsansatzes" zu liefern.

B. Dimmek, D.E. Brunn, S. Meier, M. Stremmel, P. Suer, A.M.Westendarp, H. Westendarp: Bewährungsverlauf und Wiedereingliederung suchtkranker Rechtsbrecher. Pabst, Lengerich/Berlin, 160 Seiten, ISBN 978-3-89967-645-7

www.socialnet.de/rezensionen/10834.php

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